Ist Ihr Unternehmen bereit für die Generation Y?

 

Spätestens seit „Die Höhle der Löwen“ ist eines klar: Ein Start-up zu gründen, ist aktuell voll im Trend. Aber dabei handelt es sich nicht um einen kurzen Hype. Diese Entwicklung spiegelt die Bedürfnisse und die Einstellung einer ganzen Generation wieder.

Die sogenannte Generation Y (je nach Definition die Jahrgänge von 1980 bis 2000) ist geprägt durch ein hohes Bildungsniveau und einem gesunden Selbstbewusstsein. Mit dieser Kombination stellen sie bei der Eroberung der Arbeitswelt so einiges in Frage. Noch nie war der klassische „nine to five“ Job so unbeliebt wie aktuell. Das eigene Business, Entrepreneur sein, im Co-Working Space mit Gleichgesinnten „hustlen“. Das sind die Ziele der jungen Menschen. Und wenn das nicht klappt, dann gehören flexible Arbeitszeiten, Ortsunabhängigkeit oder ein hippes Büro (eine von Sichtbeton und Backstein geprägte Mischung aus Silicon Valley, WG-Leben und Lounge Area) zu den Wünschen der neuen Generation.

Und während so mancher Manager noch zielstrebig auf seinen Burnout hinarbeitet, achten die (ich nenne Sie) Ys auf Ihre Work-Life-Balance. Im Job Vollgas geben? Ja klar, aber doch nicht permanent. Das Bewusstsein für Meditation, Mind- und Body-Hacking wächst in dieser Szene unaufhaltsam von Jahr zu Jahr. Und anstatt wie Papa Schritt für Schritt die Karriereleiter hochzuklettern, zieht so manch eine/r es vor, die Arbeitszeit eher zu verkürzen, um mehr Zeit mit Familie und Freunden zu verbringen. Ebenfalls beliebt: Mal eben 2 oder 3 Monate Auszeit nehmen, um die Welt zu bereisen. Die HR-Abteilungen namhafter Unternehmen stehen vor Herausforderungen. Wie begeistert man heutzutage junge Mitarbeiter/innen für scheinbar gewöhnliche Jobs? Arbeit 4.0 ist das neue Stichwort – Problem und Chance zugleich.

Jetzt werden Sie sich fragen: Was hat das alles mit mir und meinem Unternehmen zu tun? Wir sind eine kleines Fertigungsunternehmen (beispielhaft). Wir arbeiten schon viele Jahre so. Unsere Auftragsbücher sind voll. Mir müssen uns nicht verbiegen.

Mit Sicherheit wird es die ein oder andere Ausnahme geben, aber grundlegend wird sich dieser Generationswandel auf alle Bereiche und auf alle Unternehmen auswirken. Ganz gleich, ob Technologie Konzern, mittelständisches Unternehmen oder Handwerker.

Und das deutlich schneller, als dem ein oder anderen lieb ist. Findet Sie mal eine neue Buchhalterin, die bereit ist, die die Rechnungseingangslisten oder die offenen Posten weiterhin in EXCEL Tabellen zu tippen? Während so manch alteingesessene/r Mitarbeiter/in die Dinge bisher immer erledigt hat, weil der Job einfach gemacht werden musste, werden Sie zukünftig auf einmal mit Fragen konfrontiert.

„Warum soll ich die Rechnung ausdrucken und dann abheften? Die kann man doch elektronisch ablegen.“
„Warum soll ich meinen Arbeitsbericht auf Papier ausfüllen, haben wir keine BDE Lösung oder App?“
„Wieso drucken wir noch Kommissionierlisten? Dafür gibt es doch mobile Lösungen!“
„Warum buchen wir diese Eingangsrechnungen jeden Monat manuell. Da steht doch immer das Gleiche drin. Das muss sich doch automatisieren lassen?“

Dabei kann man dieser Generation keinen Vorwurf machen, dass sie altklug oder gar verwöhnt sind. Sie sind einfach in einer anderen Zeit und mit einem ganz anderen Verständnis für Technologie und Sinnhaftigkeit aufgewachsen.

Und in der Tat lassen sich viele Dinge automatisieren. Amazon macht es vor. Mit ihrem FBA (Fulfillment By Amazon) Service können Sie heute, nur ausgestattet mit einem Notebook und einem Smartphone ein kleines Handelsunternehmen führen und dabei sechsstellige Umsatzbeträge pro Monat erzielen, ohne Ihre eigene Ware jemals in der Hand gehalten zu haben. Nicht wenige Studenten bauen sich so parallel zum Studium das eigene Business auf oder verdienen sich ein ordentliches Taschengeld dazu. Wie wird sich so eine Person wohl fühlen, wenn Sie nach dem Studium in ein Unternehmen kommt, das vor 10 Jahren das letzte Mal in ein ERP-System investiert hat und wo sämtliche Unternehmensdokumente in undurchdringbaren Ordnerstrukturen auf dem Fileserver gespeichert werden?

Jetzt gilt es für Sie als Unternehmer und Unternehmerin: Seien Sie offen für die Ideen und Vorschläge der Generation Y. Nutzen Sie Ihre eigenen Erfahrungen und Ihr Know-How und kombinieren Sie es mit neuen Lösungsansätzen und Technologien. Am Ende können Sie nur gewinnen, denn wie heißt es so schön: Ihr Wettbewerb schläft auch nicht.

Doch wie geht man so ein Thema am besten an? Erst recht, wenn man als kleines Unternehmen keine eigene HR Abteilung hat?

Lesen Sie in Teil 2 unserer Beitragsreihe weiter: Mit diesen 3 Tipps gewinnen Sie die Generation Y für Ihr Unternehmen!

 


 

ÜBER DEN AUTOR

 

TORSTEN BRÄUER, Vertrieb UNIORG Gruppe, SAP Business One

Torsten Bräuer gehört zu den letzten Jahrgängen der Generation X. Er bezeichnet sich selbst als Digitalisierungs-Enthusiast. „Man muss sich auf die Chancen konzentrieren. Dank der Digitalisierung habe ich mein komplettes Büro immer und überall dabei. Für uns Verkäufer ist das einfach toll und schont auch noch die Umwelt.“

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